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  • Projektförderung für Thüringer Kunst und Kultur

  • Planungssicherheit für Thüringer Theater und Orchester

  • Tradition und Moderne: Reformation und Bauhaus

  • Besprechung des Sanierungsbedarfs Theater Altenburg

Thüringer Staatskanzlei, Ministerium für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten

Die sanfte Kulturrevolution

Benjamin-Immanuel Hoff wechselte aus Berlin nach Thüringen. Als Chef der Staatskanzlei und Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten spricht er über das Wesen der rot-rotgrünen Koalition – und wichtige neue Chancen für seine Wahlheimat.

Nach mehr als 25 Jahren unter der Ägide der CDU brachen mit dem Einzug von Benjamin Hoff als Chef der Staatskanzlei neue Zeiten an: Zum ersten Mal wird das Haus von einem Vertreter der Partei „Die Linke“ geführt – der gleichzeitig auch als Minister dem Kulturressort vorsteht. Für viele Mitarbeiter eine deutliche Zäsur. „Es gab durchaus Befürchtungen im Haus, dass nun im wahrsten Sinne des Wortes die ‚Kulturrevolution‘ ausbricht“, erinnert sich Hoff an die ersten Wochen im neuen Amt. „Aber das hat sich recht schnell zerstreut. Ich habe eher die gegenteilige Erfahrung gemacht, dass nicht so sehr die Farbe des Parteibuchs zählt, sondern der Anspruch, gemeinsam gute Regierungsarbeit zu machen. Und das gelingt uns.“

Den Radar immer im Blick

Sein Haus sieht Hoff als Rückgrat für den reibungslosen Ablauf des politischen Tagesgeschäfts der rot-rot-grünen Landesregierung: „Irgendwo muss der Maschinenraum einer Landesregierung liegen, das ist die Staatskanzlei. Wir schauen, dass keine Hindernisse auf dem Radar auftauchen und dass die Maschine läuft.“ Dank der vielen engagierten und hochqualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelinge das sehr gut. „Wir sehen uns als gemeinsames Koordinationsressort für die gesamte rot-rot-grüne Landesregierung. Dass das so gut klappt, wurde von vielen nicht erwartet.“ Die sichtbareren Erfolge hat Hoff im Kulturressort geliefert: „Zum ersten Mal in Thüringen gibt es für zehn Jahre Planungssicherheit für alle Theater. Kein Orchester wurde abgeschafft, kein Theater geschlossen.“ Doch für den Minister ist der Erfolg gleichzeitig eine Blaupause für einen neuen Politikstil. Denn normalerweise sei der Ablauf anders: Da mache eine Landesregierung einen Vorschlag, der die Schließung von mindestens drei Standorten vorsehe. „Die Betroffenen reagieren dann mit Demonstrationen, bei denen in mindestens einem Sarg die Kulturpolitik zu Grabe getragen wird.“


Das Ziel: Sich den Debatten stellen

„Wir sind einen anderen Weg gegangen: Wir haben in einem breiten Konsens mit allen beteiligten Akteuren eine praktikable und vorteilhafte Theaterstrategie verabschiedet.“ Die wichtigste Neuerung: Umfassende Gespräche mit möglichst vielen Beteiligten. „Wir haben mehrere Szenarien vorgelegt, mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen und dann mit den verschiedenen Akteuren darüber diskutiert, insgesamt sicherlich mit mehreren tausend Menschen. Das ist tatsächlich teilhabende Kulturpolitik.“ Auch wenn am Ende nicht alle gleichermaßen mit dem erzielten Ergebnis einverstanden gewesen seien, habe der transparente Weg Respekt für die Landesregierung geschaffen: „Genau das ist der rot-rot-grüne Ansatz: Wir wollen uns den Debatten stellen, die Leute ernst nehmen und Alternativen anbieten – und wegkommen von der Illusion, dass es immer nur einen einzigen richtigen Weg gibt.“ Ein Vorgehen, das nicht nur beim neuen Museumskonzept Anwendung finden soll, sondern in möglichst vielen Bereichen. „Sich auf diese Weise Respekt zu erarbeiten, kostet Zeit und Mühe, aber es ist sehr fruchtbringend.“


Kulturwirtschaft als große Chance für Thüringen

Auch im Ausblick auf Thüringens Zukunft seien neue Wege wichtig. Eine zentrale und bisher brach liegende Chance für den Freistaat sieht Hoff vor allem in der Kulturwirtschaft. Dabei könnte eine Not zur Tugend gemacht werden: „Aus Städten wie Berlin, Leipzig oder Nürnberg gehen Künstler weg, weil sie sich die Atelierkosten nicht mehr leisten können.“ Das für Thüringen typische dichte Netz aus kleinen und mittleren Städten, seine zentrale Lage in Deutschland und die vielen ungenutzten Industrie- und Wohnflächen böten ideale Voraussetzungen für Kunstschaffende: „Viele Künstler, die in den Großstädten etwas aufgebaut haben, suchen nach Räumen, in denen Entfaltung möglich ist und die gut erreichbar sind. Diese Flächen gibt es in Thüringen. Dort ist möglich, was etwa in Berlin inzwischen kaum noch geht.“ Einen Atelierbeauftragten nach Berliner Vorbild einzusetzen, der leerstehende Immobilien an Künstler vermittelt, ist deshalb ein wichtiges Ziel für Hoff. Auch die Internationale Bauausstellung (IBA) sei in diesem Zusammenhang von unschätzbarem Wert: „Die IBA öffnet Fenster in die Zukunft von Thüringen. Die Kulturwirtschaft wird darin ganz sicher einen großen Teil einnehmen.“


Nach 100 Tagen kam der Frühling

Wer mit dem Minister ins Gespräch kommt, merkt schnell, wie sehr das Geschick seiner Wahlheimat den gebürtigen Berliner Hoff umtreibt. „Ich mache meine Arbeit tatsächlich sehr gern, gerade in dieser Konstellation mit Bodo Ramelow als Ministerpräsident. Ich konnte das, was ich am liebsten tue, zum Beruf machen. So eine Chance bekommt man nur einmal im Leben.“ Speziell die Kulturpolitik sei ein herausforderndes Handwerk, jeden Tag lasse sich etwas Neues dazu lernen. Zudem hat Hoff Thüringen sehr schnell lieben gelernt: „Unsere Regierungsarbeit begann im Dezember 2014. Nach 100 Tagen kam der Frühling. Egal, ob in Erfurt oder bei einer Fahrt über Land: Es ist hier ausgesprochen schön. Thüringen ist ein wirklich tolles Land mit einer hohen Lebensqualität.“ Zum Amtsbonus eines Kulturministers gehöre es, dass qua Amt viele Termine an großartigen Orten wie den Schlössern, Burgen und anderen historischen Stätten stattfänden. Das breite kulturelle Angebot sei etwas ganz Besonderes – von den Bachwochen bis zum Sonne- Mond-Sterne-Festival. „Die Matthäus-Passion am authentischem Bach-Ort zu erleben: Das ist eigentlich schon ein Glücksfall. Aber hier ist es etwa ganz normales.“


Finanzierungsverträge

Planungssicherheit für Thüringer Theater und Orchester

Der Abschluss der Finanzierungsverträge mit den institutionell geförderten Thüringer Theatern und Orchestern war erfolgreich: Die Verträge sind von allen Finanzierungspartnern unterzeichnet. Auf Basis der Finanzierungsverträge wurden die Fördermittel des Landes an die Thüringer Theater und Orchester für 2017 und die Folgejahre bewilligt. Für die Kultureinrichtungen bedeutet das Planungssicherheit. Das übergreifende Ziel ist das Fortbestehen der produzierenden Theater- und Orchesterstandorte in Thüringen sowie der Erhalt und die Nutzbarmachung des künstlerischen Potenzials hinsichtlich der Vielfalt und Qualität. Mit den Finanzierungsverträgen wurde das Ziel erreicht. Bestehende erfolgreiche Kooperationsvereinbarungen und Arbeitsteilungen bei Produktionen zwischen den Standorten werden weiter fortgeführt und vertieft.


Denkmalpflege

64 Baudenkmäler: Bundesweit einzigartige Schlösser-Studie

Das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie hat die Studie „Burgen, Schlösser und Gutshäuser mit erhöhtem Sanierungsbedarf in Thüringen“ vorgelegt. Damit liegt erstmals eine systematische Betrachtung der baulichen Substanz und des Sanierungsbedarfs der 64 Burgen, Schlösser und Gutshäuser mit erhöhtem Sanierungsbedarf vor.

Die 64 Baudenkmäler wurden zuvor von den unteren Denkmalschutzbehörden – nach Abfrage durch das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie – identifiziert. Eine solche Studie ist bundesweit einmalig. Gegen die Eigentümerin der Schloss- und Parkanlage Reinhardsbrunn wurde bei der zuständigen Enteignungsbehörde ein Enteignungsverfahren eingeleitet. Da die Eigentümerin keinerlei Erhaltungsmaßnahmen durchführt, ist zur Rettung dieses für die thüringische Landesgeschichte bedeutenden Kulturdenkmals die Enteignung notwendig. Das Eigentum soll auf den Freistaat Thüringen übertragen werden. Bundesweit ist dies die erste Enteignung, um ein Denkmal vor dem Verfall zu retten. Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten hat zur Renovierung der Schlossanlage Friedenstein in Gotha vom Bund und vom Land 60 Millionen € erhalten. Mit diesen Mitteln wird die Schlossanlage in den nächsten 15 Jahren grundlegend instandgesetzt und erneuert.


Richtlinie

Projektförderung für Thüringer Kunst und Kultur

Die „Richtlinie zur Förderung von Kultur und Kunst” wurde zum 1. Januar 2016 überarbeitet. Dadurch wurden die Grundlagen für eine Projektförderung geschaffen, die sich stärker an den Bedürfnissen der Kultureinrichtungen orientiert. Die Kulturförderrichtlinie wurde an die Bedingungen der Strukturfondsförderung und die Forderungen gemäß EU-Beihilferecht angepasst. Inhaltliche Änderungen beschränkten sich auf Angaben zur Nachhaltigkeit der Förderungen. Die Richtlinie wird auch für die Maßnahmen im Jahr 2017 angewendet.


Jubiläen

Tradition und Moderne: Reformation und Bauhaus

Für das Bauhaus-Jubiläum in Thüringen wird ein Höhepunkt die Eröffnung des neuen Bauhausmuseums in Weimar sein. Es wird im Zentrum Weimars nicht nur eines der modernsten Museen entstehen, sondern rechtzeitig zum Bauhaus- Jubiläum 2019 ein Ort geschaffen, an dem sich die bis heute ungebrochene Aktualität des Bauhauses verdeutlichen wird. Eingebettet in die „Topographie der Moderne“, die historische Stätten und Erinnerungsorte der Moderne in Weimar verbindet, entsteht hier perspektivisch ein lebendiges Kulturquartier, das die ambivalente Geschichte der Moderne erlebbar macht. Bereits jetzt erarbeiten die an der Klassik Stiftung Weimar angesiedelten „Bauhaus-Agenten“ gemeinsam mit Thüringer Schulen Vermittlungskonzepte für dieses neue Museum, die in die spätere museumspädagogische Arbeit einfließen werden.

Mit einem Festakt wurde im November 2016 das Jubiläumsjahr der Reformation eröffnet. Unter dem konzeptionellen Leitgedanken „Thüringen als Lutherland entdecken und entwickeln“ gab es zahlreiche thematisch passende Veranstaltungen, um den Freistaat zu präsentieren. Vom 4. Mai bis 5. November 2017 ist die Wartburg in Eisenach Schauplatz der Nationalen Sonderausstellung „Luther und die Deutschen“ – dort, wo Martin Luther das Neue Testament ins Deutsche übertrug, beschäftigt sich die Ausstellung mit dem Schaffen des großen Reformators. Thüringen war im 16. Jahrhundert die Keimzelle der Reformation. Die Vielfalt der reformatorischen Bewegung und ihre Inanspruchnahme im Wandel der Jahrhunderte werden in zahlreichen Ausstellungen und vielfältigen kulturellen Veranstaltungen zum Ausdruck gebracht. Große Anstrengungen wurden zur wissenschaftlichen Fundierung des Reformationsjahres unternommen.


Entwicklungsplan

Vorreiter bei Onlineangeboten der Bibliotheken

Der Bibliotheksentwicklungsplan wurde 2016 der Öffentlichkeit vorgestellt. Erstellt wurde der Bibliotheksentwicklungsplan vom Freistaat Thüringen in Zusammenarbeit mit den Thüringer Bibliotheken, Fachverbänden, mit den Kommunen und den Landkreisen als Trägern der Bibliotheken. Der Plan gibt die Leitlinien für die Entwicklung zu einem modernen Bibliothekswesen in Thüringen vor. Das Land Thüringen hat in Zusammenarbeit mit der Landesfachstelle für öffentliche Bibliotheken einen Rahmenvertrag für die Nutzung des ThueBIBNet durch die öffentlichen Bibliotheken geschlossen. Damit können die öffentlichen Bibliotheken ihr Angebot den Nutzerinnen und Nutzern auch online zur Verfügung stellen. In dem Bereich der Onlineangebote von Bibliotheken ist der Freistaat Thüringen bundesweit Vorreiter.


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Zitate

„Irgendwo muss der Maschinenraum einer Landesregierung liegen, das ist die Staatskanzlei. Wir schauen, dass keine Hindernisse auf dem Radar auftauchen und dass die Maschine läuft.“

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